Privatkonzert im Klassenzimmer

WN_14_03_08

Privatkonzert im Klassenzimmer

-lü- Burgsteinfurt. Erst war es im Klassenzimmer noch stiller als im Konzertsaal, dann prasselten die Fragen nur so auf ihn ein. Erik Schumann, gefeierter Nachwuchs-Geiger, gab gestern im Arnoldinum ein kleines Privatkonzert für Fünft- und Zwölftklässler und beantwortete dann geduldig alle Fragen, egal ob zu seiner Lieblingsband (Nirvana), seinem bevorzugten Fußballverein. (1. FC Köln) oder der ernst gemeinten Frage, ob er denn noch einen anderen Job habe oder nur geige.

Er geigt nur, und das inzwischen auf allen Bühnen der Welt; seine Musik bringt ihn von Japan bis nach Brasilien, von Israel bis nach Russland. Aber das kommt nicht von ungefähr, denn seine Mutter ist Pianistin, der Vater spielt Geige, und die Oma war eine gefeierte Opernsängerin in Bukarest.

Frei von der Leber weg plauderte Schumann im Rahmen des Projektes „Rhapsody in School“ dann auch aus dem Nähkästchen. Ganz natürlich, ohne Starallüren, erzählte er, wie er schon im Alter von vier Jahren in die Welt des Geigespielens eingetaucht ist. Und wie er zunächst einmal gelernt hat, ausschließlich nach Gehör (Suzuki-Methode) zu spielen. Ja und dass auch er mal keine Lust hat, zu spielen. „Aber wenn ich einige Zeit nicht gespielt habe, dann merke ich, es fehlt mir was.“ Und dass er auf einer sehr wertvollen Geige spielt, für deren Gegenwert man sich „drei bis vier Luxushäuser auf Mallorca kaufen könnte“.

Das Projekt „Rhapsody in School“ wurde im September 2005 gegründet – nach einer Idee des Pianisten Lars Vogt, der erkannt hat, „dass in den Schulen der emotionale Erstkontakt mit Musik hergestellt werden muss, da dies von Familien und der Praxis der Hausmusik immer weniger erwartet werden kann. In einer idealen Welt gäbe es eine Verbindung zwischen Musik und allgemein bildenden Schulen, und jeder Schüler würde in seinem Leben einmal ein Instrument erlernen.“

Vielleicht hat Erik Schumann gestern ein bisschen mitgeholfen, dieses Ziel zu erreichen.

VON HANS LÜTTMANN, STEINFURT

Quelle: Westfälische Nachrichten, 13.03.2008



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